Toastbrot, Bier und Plakate gegen die Geschlechterkategorie. Zur Hausbesetzerinneneinrichtung kommen Vorträge zur Handyüberwachung, Bezugsgruppentraining und Spitzelparanoia. Und spätestens am Abend, wenn alle politischen Standortbestimmungen im Rotwein aufgelöst sind, hat dann doch einer die Idee zum solidarischen Kulturfest. Künstler könnten doch ein wenig vorlesen, musizieren, tanzen, gern etwas schräg und unkonventionell. Vor allem günstig, denn es geht ja um die Sache. Und plötzlich bekommst du einen Anruf mit unterdrückter Nummer, stellst verdächtig viele Frage, aber verzichtest auf die Fahrtkosten. Man sieht sich. Auf den Barrikaden, die doch die Welt bedeuten sollten.

Jan Egge Sedelies stellt sein Romanfragment „Die Revolution im Veranstaltungsmagazin“ vor, dass sich tragischkomisch mit der politischen Szene Ende der neunziger Jahre beschäftigt, als Hausbesetzungen noch nicht nach Geschichtsbuch klangen und Chaostage kein Begriff für Burnout-Patienten war. Es geht um den richtigen Kampf im falschen System, das falsche Leben in der richtigen Bewegung. Im Mittelpunkt steht die traditionelle Frage, wie politisch Kunst sein darf und muss, und wie kunstvoll eigentlich eine politische Bewegung ist? Machen Gedichte Geschichte oder macht sich die Geschichte selbst Gedichte? Der Künstler läuft einer Bewegung hinterher, die immer schon weg ist, wenn er ankommt – und ertappt sich bei Erinnerungen an die Nachwendejahre, als die Welt doch noch scheinbar strukturiert war.

Sedelies ist Autor, Zeitungsredakteur und Literaturveranstalter. Seit 1999 veröffentlicht er regelmäßig literarische Beiträge in Zeitschriften und Anthologien. 2006 erschien sein viel gelobter Gedichtband „niemals so ganz“ im Verlag zeter & mordio. Sedelies hat mehr als 400 Lesungen im deutschsprachigen Raum absolviert, veranstaltet seit 2004 selbst Lesungen und Dichterwettbewerbe und gibt Seminare im Kreativen Schreiben. Der 31-Jährige ist der Erfinder des Running Mic, ein literarischer Protestzug durch Großstädte (documenta Kassel, Poetry Slam Meisterschaften Berlin, Macht Festival Leipzig). Derzeit ist er fast ausschließlich mit seinem Elektropunk-Projekt Beatpoeten auf Tour. Für das Mainzer Literaturfestival verzichtet er einmal auf Gebrüll und Geboller – und zieht die leisen Töne vor.